Geschrieben von Mosaiq am . Veröffentlicht in News.
Hommage an den Miles Davis von Olten
„Fliesenleger aus Olten, Miles Davis Europas“. So bezeichnete Jazzpapst Joachim Ernst Berendt die Oltner Musiklegende Umberto Arlati (22.6.1931-4.5.2015).
„Umbi“ ist Gründer und langjähriger Leiter der Big Band Olten. Seine musikalischen Wurzeln waren tief im Bebop verankert. Der weit über die Region hinaus bekannte Trompeter und Bandleader aus der Dreitannenstadt war ein Urgestein der Schweizer Jazzszene. Er spielte mit unzähligen internationalen Jazzgrössen im In- und Ausland. In den frühen 50er-Jahren erhielt er reihenweise Auszeichnungen als bester Trompeter am Zürcher Jazzfestival. 2010 wurde er – 80-jährig – mit dem längst fälligen Kunstpreis des Kantons Solothurn geehrt. Unter seiner Leitung baute die Big Band Olten ein Repertoire auf, das den klassischen Big-Band-Sound ins Zentrum stellte: Glenn Miller, Count Basie und Benny Goodman begleiteten die Formation während vieler Jahre.
Ab 1967 unterrichtete Umbi an der Jazzschule Bern, später auch an der Musikschule Olten. Es war ihm ein Anliegen, sein Wissen an die nächste Generation weiterzugeben. So ermöglichte er vielen jungen Musikern, in der Big Band Olten ihre musikalischen Hörner abzustossen. Einige davon sind heute selbst gewichtige Akteure in der Schweizer Musikszene.
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Die Big Band Olten pflegt neben zahlreicher zeitgenössischer Musikliteratur nach wie vor den traditionellen Swing und Jazz der berühmten Orchester von Count Basie oder Duke Ellington.
Interessanter Fact: Count Basie gastierte irgendwann in den 50er oder 60er Jahren einmal in Olten. Die untenstehenden Fotos wurden uns von unbekannter Quelle einmal per Post zugespielt.
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Schweizer Tournee der Quincy Jones Big Band. Bandleader Quincy Jones mit der Posaunensolistin Melba Liston.
Vor 60 Jahren gastierte Quincy Jones mit seiner Big Band im Saal des legendären Olten-Hammer; wenig davon ist übrig geblieben.
Beim Olten-Hammer sind auf einer Messingtafel die Musikgrössen verewigt, die in diesem Konzertlokal aufgetreten sind. Allerdings ein Name fehlt: jener von Quincy Jones.
Ende November 1982 wurde «Thriller» von Michael Jackson veröffentlicht. Diese Langspielplatte, die Hits wie «Beat It» und «Billie Jean» enthält, wurde das erfolgreichste Album der Musikgeschichte. Während der Name Michael Jackson geläufig ist, bleibt jener Musiker, der massgeblich am Erfolg beteiligt war, meist im Schatten des King of Pop. Als Produzent von «Thriller» und weiterer Alben Jacksons wirkte nämlich Quincy Jones. Und ebendieser Quincy Jones trat am Anfang seiner Karriere im Saal des Olten-Hammer auf.
Ein Wunderkind, dieser Quincy Jones
Zu Mozarts Zeiten wäre er ein «Wunderkind›» gewesen. Der 1933 in Chicago geborene Quincy Jones gründete bereits an der Highschool eine Jazz-Combo und schrieb Arrangements. Der berühmte Bandleader Lionel Hampton wurde auf das junge Talent aufmerksam und wollte ihn auf eine Tournee mitnehmen. Erst im letzten Moment schmiss Hamptons Frau Gladys den minderjährigen Quincy aus dem Tour-Bus: Er solle zuerst die Schulen abschliessen.
1951 wurde er – nun 18-jährig – für Lionel Hamptons Band als Trompeter, Arrangeur und Pianist engagiert. Mit Hamptons Orchester unternahm er 1953 eine Tournee durch Europa und gastierte dabei in Basel und Zürich. 1957 liess er sich in Paris nieder und übernahm die musikalische Leitung des Jazz-Musicals «Free and Easy».
Nachdem dieses Projekts ausgelaufen war, startete er Ende 1959 mit dem bestehenden Musical-Orchester eine ausgedehnte Europatournee unter eigenem Namen. Am 1. März 1961 traf Quincy Jones Big Band mit dem 20.47-Zug in St. Moritz ein und eröffnete die Tour am folgenden Tag mit einem Auftritt im Palace Hotel. Für Quincy Jones‘ Schweizer Tournee im Frühjahr 1961 zeichneten acht Genossenschaften des Migros-Genossenschafts-Bunds als Veranstalter. In früheren Jahren hatten sie schon Gastspielreisen mit Lionel Hampton und Count Basie veranstaltet.
Die Tournee mit der Quincy Jones Bigband begann am 2. März 1961 in St. Moritz, anschliessend folgten Konzerte in Lausanne, Olten, Baden, Delémont, Basel, La Chaux-de-Fonds, Genf, Bern, Neuenburg, Zürich und Kreuzlingen. Mit dem Gastspiel am 11. März in St. Gallen endete die Schweizerreise. Die 18-köpfige Jazzformation spielte zum Teil zwei Mal am Tag. So trat sie am Samstag, 4. März, um 15 Uhr im Saal des Olten-Hammer auf, am selben Tag folgte ein Konzert um 20 Uhr in Baden.
Wenig regionales Echo für einen Weltstar
In der Oltner Presse stiess der Auftritt von Quincy Jones auf wenig Echo. Im freisinnigen «Oltner Tagblatt» und im katholisch-konservativen «Der Morgen» wird das Ereignis mit keiner Silbe erwähnt. Einzig die sozialdemokratische Tageszeitung «Das Volk» veröffentlichte am Vortag eine längere Vorschau auf das Konzert samt Foto.
Im Artikel wurde die grosse stilistische Spannweite des modern orientierten Orchesters gerühmt. Speziell wurde erwähnt, dass – eine Seltenheit in der männerdominierten Jazzszene – zwei schwarze Musikerinnen in Quincy Jones‘ Formation spielten, nämlich die Posaunistin Melba Liston und die Pianistin Patti Bown. Quincy Jones selbst spielte Trompete und Klavier, er dirigierte die Big Band und war für die meisten Kompositionen und Arrangements verantwortlich.
Kein Konzertbericht im Lokalblatt
Da in den Oltner Zeitungen keine Konzertberichte erschienen, muss man sich anderswo orientieren. «Die Tat» lobte Quincy Jones für «seine Arrangements, sein richtiges Einsetzen der Musiker; der unerhörte Swing und Drive der Band sind so überzeugend, dass man mit grösster Begeisterung zuhört.» In andern Blättern waren die Kritiken durchzogen, was möglicherweise damit zusammenhängt, dass die Musikjournalisten, wie jener der «Zürcher Nachrichten», persönlich eher «kleine Formationen, weil individueller, aussagefähiger und genussreicher» bevorzugten. Und die NZZ nannte die Big Band überdurchschnittlich gut, empfand jedoch die Soloparts zu lang. Sie ergänzte herablassend, der junge Orchesterleiter müsse noch manches lernen und «sich den Sinn für Proportionen erst noch erarbeiten und ihn seinen Musikern beibringen».
Lichtspuren der Taschenlampe als Blickfang
Für die Tournee der Big Band Quincy Jones, «Amerikas beste Jazz-Band», entwarf der Grafiker Harry Emmel ein Werbeplakat, in welchem er den Swing der Jazzformation bildlich umsetzte. Er schwang zu einer Schallplatte von Quincy Jones eine Taschenlampe im Rhythmus der Musik und liess sich mit langer Belichtungszeit fotografieren. Die unsystematischen Lichtlinien ergaben dann den Blickfang für das Plakat.